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History 1988, Hormonskandal, Karl Schulten (CDU) contra Oberkreisdirektor Pingel (CDU)

In jedem Jahr wird vom Kreis Borken ein Kreisjahrbuch herausgegeben. Dort werden herausragende Ereignisse des zurückliegenden Jahres in kurzer Form wiedergegeben. 1988 fand auch auf 2 Seiten der bundesdeutsche Hormonskandal in Oeding seinen Niederschlag.

Karl Schulten (CDU), Mitglied des Südlohner Rates, nahm dies zum Anlass, dem Oberkreisdirektor (Pingel) seine "Entrüstung" über diese Veröffentlichung in einem Brief mitzuteilen. Der Brief wurde am 21.12.1988 in den Ruhrnachrichten veröffentlicht. Hier ein kleiner Auszug: "Nun erscheint ein Jahrbuch, als eine Veröffentlichung...., ein Buch...., das man archiviert, um einmal bei seinen Nachkommen den Heimatgedanken zu fördern und ihn dadurch zu verwurzeln. Ich halte es offen gesagt für geschmacklos diese traurige Affäre hierdurch zu verewigen...."

Der Chefredakteur der Ruhrnachrichten, W. Pfeiffer, veröffentlichte zu diesem Artikel an gleicher Stelle unter der Überschrift "Unbequem?" einen lesenswerten kritischen Kommentar, den "kritischderblog" hier veröffentlicht: "Was ist das für ein Verständnis von Geschichtsschreibung, das da der Oedinger Ratsvertreter Karl Schulten an den Tag legt. Statt jene öffentlich anzuklagen, die seinen Heimatort in Verruf gebracht haben, kritisiert er ein Kreisjahrbuch, das in 32 Zeilen und einer Bildmontage von tatsächlich erschienenen Überschriften zur Affäre das bemerkenswerteste Ereignis dieses Jahrs im Kreis Borken festhält. Und das selbstverständlich mit keiner Zeile der Oedinger Bevölkerung eine Kollektivschuld zuweist. Wie das bis heute kein vernünftiger Mensch getan hat. Wenn es nach Karl Schulten geht, darf künftige kommunale Geschichtsschreibung wohl nur noch über Seniorentanz, Schützenfest und Kindergarteneinweihung berichten. Doch auch Krieg, Vernichtung und Verbrechen sind Teil unseres Lebens. Und Chronistenpflicht gebietet es, auch darüber den Nachfahren zu berichten. damit sie gewarnt sind, damit sie es besser machen. Ob diese gute Absicht verwirklicht wird, ist ungewiss. Sicher aber ist, dass Schönfärberei, auch durch Verdrängen unbequemer Wahrheiten, noch niemanden genutzt hat."