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History 1988, Hormonskandal in Oeding

Am 15. August 1988 titelten die Ruhrnachrichten: "Hormontourismus und Belagerung verunsichern die Oedinger Bürger". Was war geschehen?

Ein Hormonskandal erschütterte die Grenzregion im Westmünsterland. Allein 19 Kälberställe waren im Bereich der Polizeistation Ahaus (Ahaus, Stadtlohn, Vreden, Legden und Heek) von der Polizei zu überwachen. Die Bereitschaftspolizei Borken war hauptsächlich in Oeding aktiv. Die Unternehmer Hying und Wigger und mehrere Vertragsbauern hatten im großen Stil Kälbern verbotene Wachstumshormone gespritzt. Wigger zeigte sich kooperativ. Hying legte sich mit der Justiz an. Auf dem Grenzweg zum Großstall Wigger mit einer Kapazität von 6000 Tieren herrschte ein nie gekannter reger Verkehr von Autos vom Niederrhein bis aus Holland. In der Folgezeit beherrschte nur ein Thema die Grenzgemeinde und die Presse überschlug sich mit ihren Schlagzeilen.

Ruhrnachrichten 15. August 1988: "Wigger in der Ermittlung - Zwei Hying Ställe neu entdeckt"

Ruhrnachrichten 19. August 1988: "Polizei durchsucht Geschäftsräume Wigger" "SPD fordert Sondersitzung"

Kirche in Deutschland 4.September 1988: "Hormonskandal ruiniert Oedinger Bauern"

Die Gemeinde Südlohn forderte, dass strafbare Handlungen um die Kälbermast schonungslos aufgeklärt werden müssten und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden sollten. Andererseits gäbe es auch in der Gemeinde Südlohn viele unbeteiligte Kälbermäster, die vor Verlusten geschützt werden müssten. Der Hauptbeschuldigte Kälbermäster Hying wurde verhaftet. 1990 wurde ein Strafprozess gegen ihn eröffnet. Er wurde 1991 zu einer Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren verurteilt. Das Urteil wurde später vom Bundesgerichtshof aufgehoben, wodurch sich das Strafmaß auf 3 Jahre reduzierte. Das Wort 'Kälbermastskandal' wurde 1988 von der Gesellschaft für deutsche Sprache als eines der möglichen Worte des Jahres vorgeschlagen. Es wurde jedoch nach 'Gesundheitsreform' und 'Robbensterben' nur auf den dritten Platz gewählt.

Kritisch Nr. 40 berichtete im November 1988 über die "Auswirkung der Kälberaffäre für die Gemeinde Südlohn" und bedankte sich bei der Gemeinde Südlohn für ihr umsichtiges Verhalten bei dem Skandalgeschehen: "Wir sind froh, dass die Gemeinde Südlohn zum Schutz Unschuldiger und zum Wohle der Gemeinde, einer ungeschminkten Wahrheit zum Zuge verhelfen will und eine dementsprechende Erklärung verabschiedete."