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History 1980: "Nazi-Dokumentation abgelehnt – SPD will Zeit des Dritten Reiches aufarbeiten"

So lauteten die Schlagzeilen eines Artikels der Ruhrnachrichten vom 1. April 1980 zu einer Initiative des SPD Ortsvereins Südlohn-Oeding. Weiter hiess es:

"Die Gemeinde Südlohn will keine Dokumentation über die Zeit des Dritten Reiches erarbeiten. Die Mehrheit des Rates lehnte damit einen entsprechenden Antrag der SPD-Fraktion ab. Die Debatte über diesen Punkt wurde heftig mit zum Teil persönlichen Angriffen geführt. Joachim Musholt begründete den Antrag damit, dass es an der Zeit sei, die Jugend auch in der Schule über das, was während der Nazi-Epoche in Südlohn und Oeding geschehen sei, aufzuklären (...). Der CDU-Fraktionsvorsitzende Harmeling vertrat die Ansicht, dass eine Dokumentation über die Nazi-Zeit 'nichts bringen' werde (...)."

In der Folgezeit wurde auch mit Ratsmehrheit gegen die Aufstellung eines Gedenksteines votiert. Begründung Platzmangel. Er wurde dann doch gesetzt, nachdem ein Südlohner Bürger ein paar Quadratmeter seines Grundstückes in Aussicht stellte. Doch die Zeiten änderten sich. Rührige Bürger*innen engagierten sich. Ernst Brunzel schrieb ein Buch. Ein parteiübergreifender "Arbeitskreis gegen Rechts" wurde gegründet. Am heutigen Mahnmal wird der jüdischen Opfer gedacht. Dennoch zerstörten und zerstören randalierende Zeitgenossen, wie am vergangenen Wochenende, dreimal die seit 2002 errichtete Stele. Eine Schande für unsere Gemeinde. Ob es sich bei den Tätern um geschichts- und gedankenlose "Partygänger" handelt oder um bewusste Straftäter – eines wird deutlich: Zu einer wirksamen Erinnerungskultur gehört eine umfassende, historische Aufarbeitung des gemeindlichen Geschehens der Zeit zwischen 1933-1945. Aufklärung ist das beste Mittel gegen Dummheit und Ignoranz. Wie kann die Jugend lernen, wenn Erwachsene schweigen?