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1975 Wasserbeschaffungsverband Bürger durften nicht mitreden – 2017 Wasserbeschaffungsverband SPD-Antrag und Ratsbeschluss wird nicht umgesetzt

In der zweiten Ausgabe der "Kritisch" war zu lesen: "Wenig Demokratie, keine Mitverantwortung, keine Mitbestimmung... Am 13. November 1975 stellte die SPD-Fraktion in der Ratssitzung den Antrag auf 'Einberufung einer öffentlichen Hooksversammlung', um die Bürger (...) (über den Wasserbeschaffungsverband) zu informieren und gegebenenfalls Anregungen, Wünsche und Sorgen der verschiedenen Interessengruppen anzuhören und (ihnen) möglicherweise entgegen zu kommen."
Der Antrag wurde (vom Rat) mehrheitlich abgelehnt, mit der Begründung (UWG) "die Bürger nicht noch mehr zu verwirren, die Bürger seien schon genug informiert." Einen Protest der SPD in Form eines Leserbriefes veröffentlichten die 'Ruhrnachrichten' nicht.
Was war geschehen?
Der Wasserbeschaffungsverband Stadtlohn/Vreden/Südlohn wurde gegründet ohne die Bürger ausreichend zu inormieren und anzuhören, bzw. wurden die Einwohner der Gemeinde Südlohn durch Fehlinformationen irregeleitet. Der Vorwurf der SPD lautete:
"a) das Stadtlohn im wesentlichen vom Wasserbeschaffungsverband (WBV) profitiert.
(Stadtlohner Bürger sollten einen geringeren Wasserpreis zahlen)
b) (die Verschleierung der Tatsache, dass) das Land NRW sein möglichstes getan hat, um die Finanzierung des WBV zu unterstützen.
c) dass die Aussage der Gemeinde(verwaltung) Südlohn unwahr ist, (die da lautet) der Wasserpreis müsse soundso hoch sein, weil das Land NRW dies vorschreibe.
Die Festlegung des Wasserpreises ist alleinige Sache (...) des WBV. Auch die Höhe der Anschlussbeiträge sind (...) nicht vorgeschrieben."
Die SPD veröffentlichte in der gleichen Ausgabe der "Kritisch" zwei Schreiben: 1. Einen Vermerk des SPD-Landtagsabgeodneten Dr. Ch. Zöpel vom 3. Dezember 1975 und 2. einen Brief des Ministers für Ernährung, Land- und Forstwirtschaft Deneke, an den CDU-Abgeordneten im Landtag, Ostrop, vom 4. Juli 1975. Beide Schriftstücke bestätigten die Darstellungen der SPD. Der Wasserpreis im Verbandsgebiet musste angeglichen werden und der Südlohner Gemeindedirektor Karl Frechen setzte sich beim WBV-Vorsitzenden Sundermann dafür ein, dass der Anschlusspreis herabgesetzt wurde.
 
Der Wasserbeschaffungsverband bot auch in den Folgejahren immer wieder Anlass zur Diskussion, nicht zuletzt wegen drohenden Wassermangels. Die örtliche Fördermenge ist begrenzt. Auch erweiterte sich das Geschäftsfeld des Verbandes stetig.
Die SPD-Fraktion beantragte 2017 eine öffentliche Diskussion im Südohner Gemeinderat, über die zukünftige Geschäftspolitik des WBV. Dazu sollte der neue Verbandsvorsizende (Spiess) eingeladen werden. Der Antrag wurde mehrheitlich angenommen. Über ein Jahr lang verzögerte Bürgermeister Christian Vedder die Umsetzung dieses Ratsbeschlusses wegen angeblicher Geheimhaltungspflicht. Die Wasserbeschaffungsverbände Ahaus und Stadtlohn/Vreden/Südlohn wollen kooperieren, bzw. sich zusammenschliessen. Erst Ende 2018 konnte Herr Spiess den Ratsmitgliedern Rede und Antwort stehen.
Der SPD Ortsverein Südlohn-Oeding wird auch in Zukunft (wie bereits 1975) dafür Sorge tragen, dass Öffentlichkeit hergestellt wird, der Rat informiert und die Bürger bei allen wichtigen Entscheidungen beteiligt werden. Heute wie damals orientiert sich die SPD am dem kommunalpolitischen Grundsatzprogramm ihrer Partei: "Ausbau von Mitsprache und Mitverantwortung der Bürger stärken demokratisches Leben und kommunale Selbstverwaltung (...). Verwaltung, aber auch Gemeinderäte neigen dazu, ihr Arbeit mit dem Schleier alleiniger Zuständigkeit und Kompetenz zu umgeben. Alternativen zu Planungen werden selten aufgezeigt. Jeder kommunalpolitische Erfolg ist in Frage gestellt, wenn die Bürger Verwaltung und Gemeinderat misstrauisch und resignierend gegenüber stehen. Bürger dürfen nicht nur Betroffene sein, sonder sie sollen – wo immer möglich – am kommunalen Planungs- und Entscheidungsprozess beteiligt sein".